Sonderausstellung „zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945“

Sonderausstellung „zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945“: Zu den „vergessenen Opfern“ der NS-Diktatur gehören bis heute diejenigen Menschen, die einer Zwangssterilisation unterzogen wurden. Die „Unfruchtbarmachung“ von Männern und Frauen, die man als angeblich „erbkrank“ und als Gefahr für die „Rassenhygiene“ des deutschen Volkes einstufte, war keine Randerscheinung: Zwischen 1934 und 1945 wurden alleine in Düsseldorf tausende Menschen Opfer dieses entwürdigenden Eingriffs. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv Düsseldorf und in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Landeshauptstadt widmet sich die Mahn- und Gedenkstätte vom 1. Februar bis 6. Juni in einer Sonderausstellung diesem Thema.

Allein im Stadtarchiv haben sich über 3.200 Akten des damaligen „Erbgesundheitsgerichtes“ erhalten. Das eigens eingerichtete „Erbgesundheitsgericht“ an der Mühlenstraße entschied über das weitere Leben der Betroffenen. Vielfach waren es Wohlfahrtsämter, Heime oder Pflegeanstalten, die als „erbkrank“ stigmatisierte Menschen anzeigten. Die Maschinerie, die mit einer „Meldung“ beim Gesundheitsamt einsetzte und dann nach mehreren Instanzen bis in den OP-Saal führte, wurde von zahlreichen Verantwortlichen in Gang gesetzt: Amtsärzte, Juristen und Behördenvertreter, Vormünder und Anstaltsleiter, Hausärzte und Psychiater wirkten an diesen Vorgängen aktiv mit.

Hinter jeder der Akte im Stadtarchiv steht eine betroffene Person, manchmal auch ganze Familien, die von der NS-Idee eines „gesunden Volkskörpers“ heimgesucht wurden und meist der Zwangssterilisierung zum Opfer fielen. Dieses über viele Jahre wenig beachtete Kapitel der NS-Zeit, das auch ein Vorläufer der vom NS-Staat durchgeführten „Krankenmorde“ war, wurde anhand lokaler und regionaler Quellen untersucht, aufbereitet und im Rahmen der Sonderausstellung zusammengetragen. Auf großformatigen Tafeln im Hinterhaus der Gedenkstätte werden die strukturellen Bedingungen, die Mitwirkenden und deren Entscheidungsgrundlagen vorgestellt. Immer wieder werden einzelne Beispiele von Menschen vor Augen geführt, die zwangssterilisiert worden waren. Eine Einführung in die nationalsozialistische „Rassenhygiene“ und in rassistische Körperkonzepte sowie ein Ausblick auf das Weiterleben von Täter wie auch von Betroffenen ergänzen die Ausstellung.

Gemeinsam mit dem Stadtarchiv und in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt zeigt die Mahn- und Gedenkstätte vom 1. Februar bis 6. Juni die Sonderausstellung "zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945" - © Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin
Gemeinsam mit dem Stadtarchiv und in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt zeigt die Mahn- und Gedenkstätte vom 1. Februar bis 6. Juni die Sonderausstellung „zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945“ – © Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

Zur Ausstellung erscheint im März der neue Band der „Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte“: Band 11 (herausgegeben vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V. und dem Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf). Bastian Fleermann/Benedikt Mauer: „zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945“. Erhältlich für 7 Euro in der Gedenkstätte, im Buchhandel und im DROSTE-Verlag (ISBN 9-783-7700-6047-4).

Die Ausstellung ist ab Dienstag, den 1. Februar 2022, in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29, zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags bis freitags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es gilt die 2G-Regel. Führungen für Kleingruppen müssen vorab telefonisch unter 0211-89-96205 angemeldet werden.

Titelbild: Sonderausstellung „zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934-1945“ – © Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

Quelle: Stadt Düsseldorf, Pressedienst